Aussetzung der Insolvenzantragspflicht - Fluch oder Segen?

3 Spezialisten zur aktuellen Geschäftslage

 

- Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel/Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung/Bank für Internationalen Zahlungsausgleich -

 

Deutlicher Rückgang der Firmeninsolvenzen im Corona-Krisenjahr 2020 – 16.500 zusätzliche Insolvenzen möglich

„Bedingt durch die Corona-Krise haben viele Unternehmen in Deutschland derzeit wirtschaftliche Probleme. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen aus dem letzten Jahr spiegelt diese Situation nicht wider […]“.

Mit diesen Worten kommentiert der Geschäftsführer von CRIF Bürgel Dr. Frank Schlein die aktuellen Insolvenzzahlen. Im Jahr 2020 haben in Deutschland 15.865 Unternehmen eine Insolvenz angemeldet. Damit verringerten sich die Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,5 Prozent (2019: 19.005 Firmeninsolvenzen). Hauptursache für die geringe Anzahl ist die komplizierte Gesetzgebung zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in Kombination mit den zahlreichen Hilfspaketen für die Unternehmen.

Die Frage lautet daher:

Hat die Aussetzung der Antragspflicht zu einer Stabilisation der Wirtschaft beigetragen und die negativen Folgen verhindert?

oder

Wurden die negativen Folgen des Corona-Lockdowns und der anhaltenden Wirtschaftskrise lediglich verschoben?

 

Am 25. März veröffentlichte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) dazu eine Stellungnahme, in welcher sie von einer Pleite-Lücke (backruptcy gap) spricht. Als Grund für die erwarteten aber ausgebliebenen Insolvenzen wird die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und die Kredit- und Hilfsprogramme der einzelnen EU-Länder aufgeführt. Im Allgemeinen stellen betroffene Unternehmern erst dann den Insolvenzantrag, wenn diese nicht mehr dazu in der Lage sind ihre Rechnungen zu bezahlen. In solchen Fällen spricht man von der sogenannten Zahlungsunfähigkeit.

Allerdings weigert sich die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bereits Entwarnung zu geben. Mit den Hilfsprogrammen hat die Verschuldung der Unternehmen in der aktuellen Krise deutlich zugelegt. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Szenarien auf Basis der übermittelten Geschäftserwartung prognostiziert. Wenn die aufgesparte Nachfrage in der Pandemie nicht dazu in der Lage ist, den entgangenen Umsatz der Firmen zu kompensieren, könnten die akkumulierten Firmenpleiten schlagartig nachgeholt werden. Davon können auch gesunde Firmen betroffen sein. Die  die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich spricht dabei von einem sogenannten Spillover-Effekt.

(der gesamte Bericht zum Download: https://www.bis.org/publ/bisbull40.pdf)

 

Nach den neusten Umfragen des Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München, sind die Geschäftserwartungen in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Jedoch zeigt sich hierbei eine Lücke bei der Beurteilung der aktuellen Lage. Mit Blick auf die bevorstehenden Monate erwarten die Unternehmen, dass die Nachfrage, welche in den letzten Monaten zwangsweise eingefroren war, in Bälde nachgeholt wird. Aktuell befindet sich die Wirtschaft aber noch unter dem Vorkrisenniveau.

(zum Geschäftsbericht: https://www.ifo.de/node/62401)

Die aktuellen Insolvenzahlen spiegeln die Lage der Unternehmen nur sehr bedingt wider. Über 300.000 Unternehmen in Deutschland haben derzeit finanzielle Probleme Wie werden sich die Insolvenzzahlen weiterentwickeln? CRIF Bürgel hat in einem Modell den Rückstau an Firmeninsolvenzen berechnet. „Laut unseren Modellberechnungen besteht die Welle derzeit aus circa 16.500 zusätzlichen Insolvenzen. Betroffen sind vor allem Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern“, sagt Schlein. Unter der Voraussetzung, dass die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht im vollen Umfang aufgehoben wird, sind dann insgesamt 35.500 Firmeninsolvenzen in Deutschland möglich.

 

Deutlicher Rückgang der Firmeninsolvenzen im Corona-Krisenjahr 2020 – 16.500 zusätzliche Insolvenzen möglich

Bleiben Sie vorsichtig und informieren Sie sich über die Bonität Ihrer Geschäftspartner.

Bei überfälligen Rechnungen ist Fingerspitzengefühl erforderlich.

Durch die deutliche Zunahme der Verschuldung verweisen wir speziell auf die Kombination aus Bonitäts-Index und Bilanzgrade von CRIF Bürgel Gera. Darüber hinaus bieten wir Ihnen auch weiterhin verschiedene Formen der Überwachung im Monitoring Ihrer Debitoren und Kreditoren an.

Daher empfehlen wir: Mahnen Sie die betroffenen Schuldner mindestens zweimal an und übergeben Sie die Sache anschließend an Ihr Inkassodienstleister. Je früher eine offene Rechnung zum Einzug übergeben wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit ihrer Realisierung. Ein Zahlungsaufschub schwächt Ihre Verhandlungsposition und erhöht das Ausfallrisiko.